Am nächsten Tag wollten wir eigentlich auch
noch den Franz Josef Gletscher sehen, aber es regnete so stark,
dass wir nicht einmal aus dem Lutz ausstiegen und ohne Unterbruch
nach Hokitika fuhren, wo wir nach einem Mittagessen die
Jadefabrik besuchten. Danach fuhren wir immer noch bei Regen
weiter nach Norden und waren froh, als das Wetter vor den Pancake
Rocks bei Punakaiki wieder besser wurde. Wir schauten uns dort
noch einmal diese wirklich beeindruckenden Kalksteinformationen
an. Leider war die Flut schon vorbei, so sahen wir dieses Mal
leider das Wasser nicht durch die Blowholes hochspritzen. Unser
Tagesziel war dann Westport, wo wir uns im Holiday Park in
Carters Beach eine Küchen-Cabin reserviert hatten. Nach dem
Nachtessen gingen Didi und Fabi dann ein bisschen an den Strand,
während Nicole noch etwas las.
Am Mittwochmorgen fuhren wir gleich als erstes
zum Cape Foulwind, das sich etwas ausserhalb von Westport
befindet. Auf einem extrem gut ausgebauten Spazierweg kann man
dort zu einer Pelzrobbenkolonie spazieren und diese von oben
beobachten. Wieder zurück beim Lutz konnten wir noch drei
Wekas (gallirallus australis) zusehen, die sich recht nahe an uns herantrauten. Diese
flugunfähigen Vögel sehen zwar auf den ersten Blick
recht ähnlich aus wie ein Kiwi, sind aber am Tag aktiv und
so viel wir wissen sind sie auch nicht mit den Kiwis verwandt.
Vom Cape Foulwind fuhren wir dann noch einmal etwas nach
Süden zu einer verlassenen Goldmine, dem Mitchell's
Gully. Dort schien uns alles noch so zu sein, wie es von den
letzten Goldgräbern zurückgelassen worden war, und wir
fanden, dass der Mief der späten Goldgräberzeit noch
überall drinsteckte. Es war sehr interessant durch all die
Stollen zu spazieren, und man hatte fast das Gefühl, sich in
diesem Ganglabyrinth zu verirren. Einmal mussten wir sogar
über eine verlassene Lore steigen. Am Schluss des
Spaziergangs kam man dann noch zu einer von einem Wasserrad
betriebenen Goldstampfe, die allerdings zu verrostet war, um noch
gebraucht zu werden. Gleich daneben befand sich die Unterkunft
der Goldgräber und man hatte auch dort das Gefühl, dass
alles einfach noch so ist, wie es zurückgelassen wurde. Es
lagen sogar ein paar alte Zeitungen herum; als wir die dann aber
näher betrachteten, stellten wir fest, dass diese aus dem
Jahr 2000 stammten… Danach fuhren wir wieder nach
Norden und dann bei Westport nach Osten durch die sehr
schöne Buller Gorge. Kurz vor Murchison befindet sich dort
die längste Hängebrücke Neuseelands, die wir
natürlich noch sehen wollten. Dort angekommen waren wir dann
allerdings etwas enttäuscht. Die Brücke war gar nicht
so lang wie wir sie uns vorgestellt hatten, und die
"Schlucht" war dort auch nicht sonderlich tief.
Trotzdem beschlossen wir dann, die 5$ zu bezahlen, um über
die Brücke spazieren zu dürfen. Das einzige aufregende
an der Brücke war der Boden, der nur aus einem Gitter
bestand, so dass man immer nach unten auf den Fluss sah. Zudem
war das Kreuzen auf der Brücke etwas schwierig, da sie nur
etwa einen halben Meter breit war. Auf der anderen Seite der
Brücke machten wir dann einen Spaziergang durch den Busch,
der uns allerdings nicht besonders Gefiel, da dort vor allem
Dornen und andere Unkräuter wuchsen, und nicht so
schöner Neuseeländischer Native Bush, wie wir es von
anderen Orten gewohnt waren. Dafür konnte man dort sehen,
wie sich die Erde einmal während einem Erdbeben 6m gehoben
hatte, was immer noch anhand einer Böschung zu sehen was.
Danach liessen wir die Buller Gorge hinter uns und fuhren
über Springs Junction, wo wir einen späten Mittagshalt
einlegten über den Lewis Pass nach Waikari zu Frickers. Als
wir dort ankamen, war Urs gerade mit der Alpakafortpflanzung
beschäftigt, und als wir dann zum Gehege kamen war der
Alpaka-Bock noch ganz aufgeregt, obwohl das Weibchen schon wieder
weg war: er musste sich wieder auf den nächsten Tag
gedulden… Wir genossen den Aufenthalt in Waikari einmal
mehr sehr. Diesmal war übrigens Ursula Fricker, Nicoles
Flötenlehrerin, auch zu Hause, aber sie ging über den
Abend mit einer Freundin schwimmen, so assen wir alleine mit Urs
und einer Kollegin von Frickers, Ruth der
Aushilfsdorfärztin, Znacht. Nach dem Essen machten wir es
uns in Urs' supergemütlichen Schaukelstühlen
bequem, und als dann Ursula wieder daheim war, spielten wir noch
ein Würfelspiel, bis wir zu müde dazu waren.
Übrigens versprach uns Ruth, einen Kollegen von ihr, der in
Lyttelton wohnt und nächstens auf eine längere Reise
geht, zu fragen ob er Housesitter suche. Das war echt nett, denn
bis zu dem Zeitpunkt wussten wir ja noch nicht, was wir machen
würden, wenn die Reise mit Fabi zu Ende gehen
würde.
Nach einer Nacht in richtig bequemen Betten
verabschiedeten wir uns am Donnerstagmorgen von Frickers und
fuhren durch eine wunderschöne Landschaft auf direktem Weg
nach Kaikoura, wo wir ein weiteres Mal unser Glück beim
Walbeobachten versuchen wollten. Nachdem es ja schon mehrere Male
nicht funktioniert hatte, waren wir froh, als dieses Mal die Tour
durchgeführt wurde, allerdings mit dem Hinweis, dass man
seekrank werden könnte. Nach einem Sicherheitsvideo, das wir
schauen mussten, wurden wir mit einem Bus zum Boot gebracht. Das
Boot war äusserst modern eingerichtet mit einem
Computerbildschirm, auf dem der Tourleiter ständig
irgendwelche Powerpoint Präsentationen laufen liess,
über alle möglichen Themen wie der Sicherheit auf dem
Boot, dem tiefen Unterwassercanyon bei Kaikoura, der Tierwelt und
speziell natürlich den Walen. Die rasante Fahrt zu den Walen
erzeugte bei uns wirklich ein flaues Gefühl im Magen, aber
richtig schlecht wurde es uns zum Glück nicht. Als wir
näher an die Stelle mit Walen kamen, steckte ein
Crewmitglied ein Unterwasser-Sonar-Gerät ins Wasser, mit dem
er die Wale ausfindig machen konnte. Er hörte einen Wal, der
anscheinend schon seit etwa einer halben Stunde unter Wasser war
und somit nächstens auftauchen sollte. Die Positionen der
Wale teilen sich die verschiedenen Walbeobachtungsbote und
-flugzeuge gegenseitig mit. Somit sind alle immer zur
bestmöglichen Zeit am richtigen Ort. Währenddem wir auf
das Auftauchen des Wales warteten, konnten wir noch einigen
Meeresvögel zuschauen. Unter anderem flogen auch ein paar
Albatrosse herum, so konnten wir sie doch noch sehen, nachdem sie
uns in Dunedin im Stich gelassen hatten. Bald sahen wir dann
mitten im Meer eine Wasserfontäne und der Potwal tauchte
schliesslich auf. Wir konnten ihn eine Weile beobachten, bis uns
unser Tourleiter mitteilte, dass der Wal bald wieder abtauchen
würde, und wir unsere Kameras bereit halten sollten, damit
wir ein möglichst gutes Foto von der Schwanzflosse erhaschen
könnten. Es war wirklich witzig zu erleben, wie der
Tourleiter dann plötzlich über Lautsprecher zum
Countdown ansetzte: "drei, zwei, eins, jetzt!", alle
Kameras an Bord machten "Klick" und schon war der Wal
wieder verschwunden. Daraufhin spürte ein Crewmitglied einen
weiteren Wal auf und das ganze Prozedere spielte sich noch einmal
ab. So mussten wir uns wieder hinsetzen, und wir fuhren bereits
wieder zurück Richtung Kaikoura. Wir waren schon ein
bisschen enttäuscht nur zwei Wale gesehen zu haben, die man
ja zudem nie ganz sehen konnte, sondern immer nur ihren obersten
Teil, aber anscheinend sieht man bei diesen Walbeobachtungstouren
fast nie mehr als zwei Wale. Das Highlight der Tour stand uns
dann noch bevor. Auf dem Rückweg fuhren wir nämlich
noch zu einer Schule von mehreren hundert Delfinen. Dieses
Erlebnis war wirklich beeindruckend. Die Delfine schwammen mit
unserem Boot mit, sprangen aus dem Wasser und manche
vollführten sogar richtige Salti direkt vor unserem Boot -
einfach fabelhaft! Das war aber ein Erlebnis, das mit der Kamera
einfach nicht einzufangen war, weil die Delfine so schnell auf-
und wieder abtauchten. Nur der Seehund, der auch noch dort im
Meer herum schwamm, konnte man gemütlich betrachten. Am
Abend genossen wir dann noch den supermodernen Spa im Top 10
Holiday Park von Kaikoura, bei dem man praktisch jede einzelne
Düse individuell einstellen konnte. Aaaaaaaaaaah…
Der Freitag war dann leider schon der zweitletzte Tag von unserer Reise mit Fabi, und so fuhren wir nach Christchurch, wo wir im Meadow Park Holiday Park bereits eine Cabin reserviert hatten. Weil wir das letzte Mal in Christchurch nur die Museen besucht hatten, und Fabi die Kathedrale gar noch nicht gesehen hatte, fuhren wir am Nachmittag, nachdem Fabi das Gröbste gepackt hatte, in die Innenstadt. Nach dem Besuch in der Kathedrale spazierten wir noch ein wenig durch die Einkaufsstrassen, bevor wir wieder zum Holiday Park zurücktuckerten. Am Abend schauten wir uns dann im Kino "Somethings Gotta Give" mit Diane Keaton und Jack Nicholson an. Der Film begann zwar sehr gut und lustig, aber irgendwie war der Schluss nicht mehr ganz so überzeugend wie der Anfang, denn es musste halt um jeden Preis ein Happy End her, das wie die Faust auf's Auge passte.